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Wer Gelatine im Drogeriemarkt oder Supermarkt kauft, steht vor einem Problem, das den wenigsten bewusst ist: Auf der Packung steht meistens nur „Speisegelatine" oder „Gelatine". Von welchem Tier sie stammt, erfährt man in vielen Fällen nicht.

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Tierart muss bei Gelatine im Regelfall nicht auf der Packung stehen
  • Rund 80 % der in Europa verwendeten Speisegelatine stammt vom Schwein
  • „Vom Rind" bedeutet nicht automatisch „halal-zertifiziert"
  • Fünf Kriterien helfen bei der Einordnung jedes Anbieters

Die Rechtslage: Warum die Tierart oft fehlt

Die Kennzeichnung von Lebensmitteln ist EU-weit einheitlich in der Lebensmittel-Informationsverordnung (LMIV), Verordnung (EU) Nr. 1169/2011, geregelt. Sie gilt seit dem 13. Dezember 2014 verbindlich in allen Mitgliedstaaten.[1]

Eine Pflicht, bei Gelatine die Tierart anzugeben, enthält sie im Regelfall nicht. Das Portal Lebensmittelklarheit des Verbraucherzentrale Bundesverbands hält fest: Die Angabe „Gelatine" oder „Speisegelatine" im Zutatenverzeichnis reicht aus – die Tierart muss nicht genannt werden.[2]

80 %

der in Europa verwendeten Speisegelatine stammt vom Schwein[2]

Gelatine lässt sich zwar auch aus Rind, Geflügel oder Fisch gewinnen – Schwein dominiert jedoch den Markt.

Eine Ausnahme gilt für Fleischerzeugnisse: Nach den Leitsätzen für Fleisch und Fleischerzeugnisse der Deutschen Lebensmittelbuchkommission soll die verwendete Gelatine dort von derselben Tierart stammen wie das Erzeugnis selbst, und die Tierart soll im Zutatenverzeichnis angegeben werden.[2] Bei Süßwaren, Milch- und Dessertprodukten gilt das nicht.

Manche Hersteller geben die Tierart freiwillig an, etwa „Gelatine (Rind)" oder „Schweinegelatine". Fehlt die Angabe, bleibt Verbraucherinnen und Verbrauchern nur, sich beim Hersteller zu erkundigen.[2]

Was das für den Einkauf bedeutet

Für eine Torte am Wochenende spielt die Tierart oft keine Rolle. Relevant wird sie in drei Fällen: bei religiösen Ernährungsvorgaben, bei einer bewussten Entscheidung gegen Schweineprodukte – und dann, wenn Gelatine nicht als Backzutat, sondern regelmäßig als Lebensmittel verwendet wird.

Im stationären Handel sind Packungen meist klein bemessen und für eine einzelne Zubereitung gedacht. Angaben zu Herkunft, Fütterung oder Haltung des Tieres finden sich dort in der Regel nicht – sie sind rechtlich auch nicht gefordert.

Fünf Kriterien für die Kaufentscheidung

1 · Die Tierart steht explizit auf der Packung

„Rindergelatine" oder „Gelatine (Rind)" statt nur „Speisegelatine". Fehlt die Angabe, lässt sich die Tierart aus der Kennzeichnung nicht ableiten.

2 · Die Herkunft des Rohstoffs wird benannt

Ein konkretes Land statt einer Sammelangabe. Seriöse Anbieter unterscheiden zwischen Rohstoffherkunft, Verarbeitungsort und Abfüllort – das sind häufig drei verschiedene Länder.

3 · Nur eine Zutat

Reine Gelatine besteht aus Gelatine. Produkte mit Maltodextrin, Zucker, Säuerungsmittel oder Aroma sind Mischungen – gängig bei Sofort- und Backgelatine.

4 · Laboranalysen sind einsehbar

Entscheidend ist nicht die Aussage „laborgeprüft", sondern ob sich die Prüfberichte tatsächlich abrufen und einer konkreten Charge zuordnen lassen.

5 · Zertifizierungen mit prüfbarer Nummer

Der Begriff „halal" ist lebensmittelrechtlich nicht geschützt. Belastbar wird eine Auslobung erst durch Zertifizierungsstelle und Registernummer.

Ist Rindergelatine automatisch halal?

Nein – und der Unterschied ist wesentlich.

Dass eine Gelatine vom Rind stammt, bedeutet lediglich, dass kein Schwein verwendet wurde.

Eine Halal-Zertifizierung setzt zusätzlich voraus, dass das Tier nach islamischen Vorgaben geschlachtet wurde, dass bei der Verarbeitung keine nicht-halal Hilfsstoffe eingesetzt werden und dass auch Abfüllung und Verpackung geprüft sind. Das eine beschreibt eine Abwesenheit, das andere eine geprüfte Prozesskette.

Verarbeitung: quellen, lösen, nicht kochen

Gelatinepulver in wenig kaltem Wasser einstreuen und etwa fünf Minuten quellen lassen, dabei nicht rühren. Anschließend bei niedriger Hitze unter Rühren auflösen, nicht kochen. In warme Speisen direkt einrühren; bei kalten Speisen zunächst etwas Masse mit der aufgelösten Gelatine verrühren und dann unterheben.

Richtwert: etwa 9 g auf 500 ml Flüssigkeit, je nach Rezept.

Gelatine, Kollagenhydrolysat oder Knochenbrühe?

Produkt Geliert Löslichkeit Verwendung
Gelatine ja nur warm Fruchtgummis, Desserts, Saucen
Kollagenhydrolysat nein kalt und warm Getränke, Smoothies, Kaffee
Knochenbrühe nein warm Brühe, Suppen, Eintöpfe

Unsere Rindergelatine

Das Rindergelatine Pulver von Animal Based besteht aus reiner Speisegelatine vom Rind – eine Zutat, keine Mischung.

Rohstoff Grasgefütterte Weiderinder, Türkei
Verarbeitung Schweiz
Abfüllung Deutschland
Zutaten Speisegelatine (Rind) – eine Zutat
Halal-Zertifizierung m-haditec GmbH, Bremen · Reg.-Nr. 150527haevoey · OIC/SMIIC 1:2019
Laborprüfung Jede Charge: Mikrobiologie und Schwermetalle, akkreditiertes deutsches Labor

Die Prüfberichte sind öffentlich einsehbar und lassen sich über die Chargennummer auf der Verpackung zuordnen. Eine Übersicht aller zertifizierten Produkte findest du in unserer Halal-Kategorie.

Quellenverzeichnis

  1. Europäisches Parlament und Rat der Europäischen Union: Verordnung (EU) Nr. 1169/2011 vom 25. Oktober 2011 betreffend die Information der Verbraucher über Lebensmittel. Amtsblatt der Europäischen Union L 304/18. eur-lex.europa.eu (abgerufen am 20.08.2026)
  2. Verbraucherzentrale Bundesverband e.V. (Hrsg.): Gelatine vom Schwein oder vom Rind? Lebensmittelklarheit. lebensmittelklarheit.de (abgerufen am 20.08.2026)
  3. Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit: Überblick über die Kennzeichnung von Lebensmitteln. bvl.bund.de (abgerufen am 20.08.2026)

Stand: 20. August 2026. Rechtliche Vorgaben können sich ändern. Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und stellt keine Rechtsberatung dar.